Donnerstag, 13. Dezember 2007

Bahnhof Bielefeld


Wie es ist, wenn man 40 wird? Spektakulär! Langweilig! In Wahrheit fühlen sich die Menschen in diesem Alter wahrscheinlich ein bisschen so wie ein Bär im Winterschlaf, oder wie ein Raketentriebwerk während des Countdowns, oder vielleicht auch etwa so wie ich: wie 20 und 60 zugleich. Egal. Ich habe unseren Familien-Abstecher ins Neue Bahnhofsviertel genossen. Zurücklehnen im Cinemaxx, Tacos mit scharfer Peperoni im Mexim's, Blick auf ankommende und wieder verschwindende Züge. Musste an Bern Kiupels Gedicht denken, das er auf unserer Hochzeit vorlas. Bernd, den ich aus der Schule kannte und der eigentlich kein Wort Russisch konnte, schrieb ungefähr 72 russische Bahnhofsnamen aus seinem alten Schulatlas auf einen schicken Zettel und las das Ganze dann mit supergerolltem R den Hochzeitsgästen vor. Kam irgendwie gut an. Ich höre diese Bahnhöfe immer noch. Die meisten werden ich wahrscheinlich nie im Leben zu sehen bekommen. Na ja, anderseits bin ich ja erst 40...

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Mennonit - ist das eine Glaubensrichtung oder eine Nationalität? Wenn es keine Nationalität ist, was sind sie dann? Deutsche? Holländer? Russlanddeutsche?

Drewermenno hat gesagt…

Versuch einer Antwort zu anonym 1:

Bei den Mennoniten ist die Frage nach Glaube und Ethnie ähnlich berechtigt und häufig wie bei den Juden. Je nachdem, in welchem Land oder Kontext sich der Gefragte befindet - die Antwort wird immer irgendwie anders ausfallen.

Meistens sind mit der Bezeichnung Mennoniten die Menschen gemeint, die sich zur Freikirche der Mennoniten oder eben zu mennonitischen Glaubensvorstellungen bekennen, siehe dazu auch den Artikel bei Wikipedia. Weltweit sind das über eine Million Menschen, inzwischen auch viele Inder und Afrikaner. Der Teil der Mennoniten, der in der Reformationszeit aus Holland, Friesland , Norddeutschland oder aus dem heutigen flämischen Teil Belgiens nach Westpreußen geflohen ist, und dann später, als Katharina II rief, nach Südrussland auswanderte, also in die heutige Ukraine, dieser Teil begann irgendwann ein kleines Volk mit einer eigenen Sprache zu werden. Das sind dann eben die Russlandmennoniten, die auch teilweise schon im 19. Jahrhundert von Russland nach Kanada ausgewandert sind, später von dort nach Mexiko, Paraguay usw.

Es sind eigentlich immer nur die Russlandmennoniten, die in Bezug auf die eigene Identität oft sehr schwammig und kreativ sind: Mennonit = Russlandmennonit = Deutscher = Holländer = Christ = Plautdietscher = Aussiedler = was auch immer. So, wie's eben passt ;-)

Übrigens sind fast ALLE russlanddeutschen Kirchengemeinden in Deutschland Initiativen von Russlandmennoniten - auch wenn diese Gemeinden heute Baptistengemeinden sind oder einfach nur "Frei Evangelische Gemeinde Soundso" heißen...