Montag, 6. Mai 2013

Deutsch-Konferenz in Moskau



Wer glaubt, dass die Deutschen inzwischen komplett aus Russland ausgereist sind, hat sich vertan: Diesseits und jenseits des Ural-Gebirges leben heute locker eine halbe Million Menschen mit deutschen Wurzeln. Ein Teil von ihnen spricht immer noch Deutsch und/oder einen der Dialekte bzw. Plautdietsch. Bei wem aus durchaus nachvollziehbaren Gründen die deutschen Vokabeln aus dem Kopf gefallen sind oder wer von seinen Eltern überhaupt noch nie ein Wort in deren "Muttersprache Deutsch" gehört hat, hat heute in Russland überraschend gute Chancen, die eigene Familiengeschichte sprachlich aufzupeppeln.

Nicht nur in Moskau, auch an vielen anderen Punkten des wahnsinnig weiten Landes gibt es Personen und Institutionen, die sich zum Ziel gesetzt haben, den aktiven Gebrauch der deutschen Sprache in Russland zu fördern. Ich meine jetzt nicht nur die Lehrer an den Schulen oder die Akademiker an den Universitäten. Es sind vor allem die Selbstorganisationen der Deutschen in Russland mit ihrem Dachverband IVDK, der in den letzten Jahren selbstbewusster und einflussreicher geworden ist und inzwischen zur dritten "Internationalen wissenschaftlich-praktischen Sprachkonferenz" eingeladen hat. Gemeinsam mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft und aus der russlanddeutschen Gesellschaft verabschiedete man auch diesmal wieder eine Resolution, die zum großen Teil wohl auch umgesetzt wird.

Diesen Eindruck habe ich jedenfalls, wenn ich mir anschaue, wieviel seit der ersten Konferenz dieser Art im Jahr 2009 geschehen ist. Da ist nicht nur die ständig wachsende Zahl an Projekten, in denen z.B. attraktive und handlungsorientierte Sprachangebote für Jugendliche angeboten werden oder ein effektives Netzwerk sowohl zwischen den Regionen als auch zwischen Praktikern und Theoretikern immer weiter ausgebaut wird. Was mittel- und langfristig ein wirklich großer Gewinn für die deutsche Sprache in Russland ist, ist der "Sprachrat der Selbstorganisation der Russlanddeutschen", der im Zuge dieser Konferenzen entstanden ist und bereits viel in Bewegung gebracht hat. Das Motto der diesjährigen Deutsch-Konferenz in Moskau lautete "Deutsche in Russland: Sprache der Minderheit in der Gegenwart". Dabei sollten Potenzial, Prioritäten und Perspektiven mit besonderem Blick auf Mehrsprachigkeit und ethnokulturelle Bildung ausgelotet werden.

Gemeinsam mit Alexander Reiser (Berlin) und Marina Stepanov (Münster) war ich als Vertreter der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (Stuttgart) dabei. Dass ich auch dieses Jahr wieder auf Plautdietsch-Sprecher in Moskau gestoßen bin, sogar unter den Mitarbeitern des IVDK, hat mich natürlich besonders gefreut! Die Konferenzsprachen waren Deutsch und Russisch, ganz im Sinne der geforderten Mehrsprachigkeit. Was ich vermisst habe, war die deutsche Version der gemeinsam formulierten Resolution am Ende der Konferenz. Bei den guten Konferenzdolmetschern, die anwesend waren, wäre eine Übertragung leicht möglich gewesen. Mit der niederdeutschen Version habe ich natürlich erst gar nicht gerechnet...





Die Konferenz fand vom 27. April bis zum 1. Mai 2013 in Moskau in den Räumlichkeiten der Deutschen Botschaft und des IVDK bzw. des Deutsch-Russischen Hauses statt. Sie wurde deutscherseits u.a. vom Bundesministerium des Innern und russischerseits u.a. vom Ministerium für Regionalentwicklung gefördert.




Samstag, 13. April 2013

Online Chillen


Das Rauschen der Wellen, die frische Luft des Meeres, einen Sonnenuntergang: Hier ist ein Beispiel dafür, wie man das gleichzeitig live und online erleben kann! Jan und Lukas, irgendwo im Süden der Türkei, chillen auf eine außergewöhnliche Weise. Sie kommen gerade aus der Waschmaschine ihres Alltags und haben sich hier zum Trocknen und Durchlüften aufgehängt. Da ist jetzt bestimmt viel Sauerstoff in ihren Herzen und Klamotten...

Freitag, 21. Dezember 2012

Baktun 13




Im Maya-Kalender endet gerade ein wichtiges Baktun.

Ob heute die Welt untergeht, werden wir ja schon merken. Irgendwie. Mit dem Gefühl, wie das ist, wenn eine Welt untergeht, sind wir ja spätestens bei unserer Geburt bekannt gemacht worden. In der der Zwischenzeit ist die Welt ja dann immer wieder auch nicht untergangen.

Ich glaube, ich freu mich einfach mal!

Foto: Auf diesen Maya-Tempel in Guatemala bin ich während einer Plautdietsch-Studienreise (Belize 2009) hochgeklettert. Ich wollte ein bisschen näher zur Sonne.

Freitag, 19. Oktober 2012

Nicht mehr minder



Nicht mehr minderjährig ist mein Sohn Lukas, der vor ein paar Jahren doch noch so ein kleiner Knirps war... Inzwischen ist er 18 und hat seinen Führerschein! Ich freue mich für ihn und wünsche ihm von ganzem Herzen ein schönes Leben! Mögen gute Begegnungen mit anderen Menschen, mit sich selbst und mit Gott die kommenden Jahre prägen.

Zum Foto: Letzten Sonntag, kleiner Spaziergang an der holländischen Nordsee...

Samstag, 15. September 2012

Soziologie wie noch nie!


War José Manuel Barroso schon mal in Oerlinghausen?

Ja, gerade eben! Dieser Mann ist schließlich nicht nur Präsident der EU-Kommission. Er scheint auch großes Interesse an Soziologie zu haben, vor allem am großen Max Weber und vielleicht noch mehr an Niklas Luhmann - und hat aus genau diesem Grund mal eben Oerlinghausen besucht! Ich brachte meinen Sohn Lukas vorhin zu seinem Freund Sebastian und wir wunderten uns über das große Polizeiaufgebot vor der Weber-Villa nebenan...

Nach seinem Kunst-Termin in Kassel gönnte sich Präsident Barroso nun also ein bisschen Soziologie in der Bergstadt. Gefällt mir!

Luki und Sebi sind übrigens Schüler des NLG. Ob der Name hilft? Verzetteln kann man sich auf verschiedene Weise!

Sonntag, 15. Juli 2012

Dienstag, 26. Juni 2012

Jesiden und Eziden




Weltweit gibt es ca. eine Million Jesiden, davon leben die meisten im Irak und ca. 70.000 in Deutschland. Das habe ich am Wochenende während einer Konferenz der "Gesellschaft Ezidischer Akademiker" in Bielefeld gelernt. Lernen sollte ich auch, dass der Mord an Arzu Özmen nichts mit den Jesiden zu tun hat.

Hä?

Da passt doch etwas nicht. Auch wenn mir der Vortrag von Prof. Dr. Ilhan Kizilhan zum Thema "Migration und Identität der Eziden" sonst nicht schlecht gefallen hat: An einigen Stellen war ich mir nicht sicher, ob ich an seinen Worten oder an meinem Verstand zweifeln sollte. So oder so: Die Tatsache, dass eine Veranstaltung mit und über Jesiden in einer solchen Größenordnung und mit Referenten wie Dr. Sefik Tagay, Serhat Ortac, Ali Atalan, Düzen Tekkal, Alya Bayazid, Dr. Khalil Cindi Rascho, Dr. Eskere Boyik und vielen anderen überhaupt stattfand, dass Nicht-Jesiden zur Teilnahme eingeladen waren und auch mehr oder weniger kontroverse Fragen und Diskussionsmomente zugelassen waren, finde ich bemerkenswert.

Während des gesamten Kongresses hatte ich immer wieder den Eindruck, dass es zwischen den Jesiden und meinen plautdietschen Mennoniten eine Menge Parallelen gibt:
  • Sowohl die Jesiden als auch die Russlandmennoniten sind eine weltweit verstreute Gruppe von ca. einer Million Menschen, eher etwas weniger
  • Sowohl die Jesiden als auch die Russlandmennoniten sind eine ethno-religiöse Gruppe und es bleibt häufig unklar, ob gerade über die Gruppe als Relionsgemeinschaft oder als Volksgemeinschaft gesprochen wird.
  • Sowohl die Jesiden als auch die Russlandmennoniten sind eine extrem heterogene Gruppe aufgrund unterschiedlicher Entwicklungen über Jahrhunderte in unterschiedlichen Ländern und unterschiedlichen Kulturregionen.
  • Sowohl bei den Jesiden als auch bei den Russlandmennoniten ist ein großer Teil sehr konservativ oder religiös geprägt, während ein anderer großer Teil gar nicht oder kaum von der modernen und säkularen Umgebung hier in Europa oder in Amerika zu unterscheiden ist.
  • In den einzelnen Familien und Gemeinschaften treffen diese heterogenen Welten häufig unfreundlich oder verständnislos aufeinander.
  • Integration ist ein spannendes Thema und sorgt für Spannung! Integration und auch Exklusion finden sowohl in der eigenen Gruppe als auch im Kontext des jeweiligen Gastlandes statt.
  • Es gibt sympathische Genies und radikale Spinner.
Inhaltlich ging es während der beiden Konferenztage auch immer wieder um die Notwendigkeit und Möglichkeit von Reformen. Dabei spielte natürlich auch die Frage eine Rolle, wessen Rechte oder Entscheidungsbefugnisse schwerer wiegen: die der Gruppe oder die der einzelnen Person? Kollektive vs. individuelle Interessen. Ein Reformvorschlag überraschte mich außerordentlich und ich war mir für einen Augenblick nicht sicher, ob ich mich da vielleicht verhört hatte: Dr. Memo Othman, Theologe sowie Ex-Staatsminister aus dem Irak, schlug doch tatsächlich vor, das Jesidentum sollte "missionarisch" werden, sich also öffnen auch für solche Glaubenden, die keiner jesidischen Familie entstammen! Bis jetzt war/ist Jeside, wer als Jeside geboren wird. Wer "fremdheiratet", scheidet aus. Das schwächt und verkleinert auf Dauer die Gruppe und man ist auf der Suche nach Lösungen...

Mutig und richtig fand ich den Beitrag von Sundus Salim Elnecar. Die Schriftstellerin aus Wien forderte die Jesiden dazu auf, mit der Praxis der Ehrenmorde aufzuhören und diese auch in öffentlichen Stellungnahmen klar abzulehnen. Leider wurde der Themenblock "Die Rolle der Frau im Ezidentum" von den Veranstaltern auf den späten Abend verlegt.

Schade, dass weder der Bielefelder Oberbürgermeister Pit Clausen noch Mir Tahsin Sahid Beg, Oberhaupt der Jesiden, anwesend waren. Beide waren im Programm angekündigt. Und schade auch, dass der größte Teil der Konferenz in kurdischer Sprache abgehalten wurde - was ja kein Problem gewesen wäre, wenn es denn Dolmetscher gegeben hätte. Absicht?

Die Konferenz fand am 23. und 24. Juni 2012 in Bielefeld (Neues Rathaus) statt und wurde von der Gesellschaft Ezidischer AkademikeriInnen (GEA) mit Unterstützung der Stadt Bielefeld (Integrationsamt) organisiert. Hier ist ein Link zum Programm.