Mittwoch, 4. November 2009

Sprache und Identität


Wenn man sich fragt WER BIN ICH?, dann spielt die Sprache natürlich immer wieder eine große Rolle. Aber auch das Land, in dem man geboren ist, in dem man lebt, prägt das Selbstbild eines Menschen offensichtlich mehr als nur ein bisschen. Für mich als Plautdietschen aus Russland war und ist es deshalb wichtig, dass die Ergebnisse der Internationalen Sprachkonferenz in Moskau differenziert genug ausfallen. Das Unterthema dieser Konferenz letzte Woche in den Räumen des IVDK und des Goethe-Instituts lautete "Aktuelle Fragen des Lernens und Lehrens der deutschen Sprache: Sprache als Grundlage für die Identitätssicherung der Russlanddeutschen". Etwas enttäuscht war ich von der Rede des Aussiedlerbeauftragten der Bundesregierung Dr. Christoph Bergner, der zwar viel von den "Wurzeln der Russlanddeutschen" sprach, aber anscheinend nur die deutsche Sprache und Kultur im Sinn hatte und mit keinem Wort den niederdeutschen Zweig dieser großen Minderheitengruppe in Russland erwähnte. Nach offiziellen Schätzungen hat schließlich jeder zehnte Russlanddeutsche eine plautdietsche bzw. russlandmennonitische Familiengeschichte. Wenn man hier von Identität, von sprachlichen und kulturellen Wurzeln spricht, dann ist "deutsch" schlicht und einfach nur die halbe Wahrheit. Dass die Ausrichter der Konferenz rund um Olga und Heinrich Martens auch einen Vertreter der international aktiven Organisation Plautdietsch-Freunde e.V. eingeladen hatten, hat mich positiv überrascht. Ich wünsche mir sehr, dass das angestrebte Konzept für eine "russlanddeutsche Sprachpolitik" ausgewogen und pragmatisch genug ist, um tatsächlich etwas Gutes zu bewegen.

Zum Foto oben: Basilius-Kathedrale am Roten Platz. Ich war überrascht, als ich dort plötzlich auch noch Lenin und Stalin (Foto unten) traf - die ja bekanntlich nicht so viel mit Kathedralen zu tun hatten, und auch meinen Eltern und Großeltern das Leben in Russland nicht gerade erleichtert hatten...

Mehr Fotos von letzter Woche in Moskau? Hier klicken!

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Migration und Integration in OWL





In knapp einem Monat findet in Ostwestfalen-Lippe der Integrationskongress OWL 2009 statt. Dieser Kongress hat für die gesamte Region eine große integrative Bedeutung und wird inzwischen zum dritten Mal durchgeführt.

Meiner Meinung nach ist dieser jährliche Kongress vor allem auch für die vielen Migrantenselbstorganisationen (MSO) in der Region ein wichtiges Forum und eine gute Chance für interkulturelle Öffnung - nicht nur zwischen Behörden und MSO, sondern auch zwischen den unterschiedlichen MSO (Türken, Aussiedler, andere...).

Samstag, 3. Oktober 2009

Happy Deutschday!


Hier wird Deutsch gesprochen, meinte Guido Westerwelle doch neulich einem britischen Journalisten gegenüber. Heißt ja auch Deutschland, dieses Land -- hat also offensichtlich Recht, der neue Vize-Kanzler und Außenminister in spe. Dass man sich hier und da über seine Englischkenntnisse lustig macht, finde ich nicht fair. Dass er Englisch kann, weiß man. Wie gut er das kann, ist meiner Meinung nach zweitrangig. Seine Muttersprache Deutsch beherrscht Westerwelle besser und selbstbewusster als viele seiner Kritiker. Zum 20. Geburtstag der deutschen Wiedervereinigung wünsche ich mir etwas mehr Respekt vor den verschiedenen Muttersprachen, die im aktuellen Deutschland gesprochen werden. Und etwas mehr politische und finanzielle Unterstützung für die Pflege und Dokumentation der Sprachen, die Deutschlands Bürger noch näher am Herzen liegen als Deutsch...

Siehe auch Pflege und nicht Leugnung der Muttersprache beim Infodienst ORNIS.